Ein fotografischer Streifzug durch die fußballerische Tristesse

LANDKREIS. Der Stader Fotograf Jörg Struwe (53) erzählt mit seiner Foto-Reportage von den Fußballplätzen der Region Geschichten. Hinter jedem Bild steckt eine. Die meisten handeln von Tristesse und Hoffnung.

Jörg Struwe war noch nie auf dem Sportplatz in Heinbockel. Weder als Fußballspieler, noch als Trainer, noch als Fotograf. Was er an diesem Tag in dem kleinen Dorf findet, begeistert ihn. „Ziemlich urig“, sagt Struwe. Ganz allein stromert er über den Rasen und muss nach Motiven gar nicht lange suchen. Die Totale wird schließlich zu einem seiner Lieblingsfotos. Die Wolken stehen grau und ganz tief. Der Rasen ist holprig. Struwe drückt auf den Auslöser und fängt die Stimmung ein, die für Saisonabbruch und tote Hose steht.

Drei Tage lang war Jörg Struwe unterwegs. Jeden Tag acht Stunden. Vor dem Computer verbrachte er später noch mal so lange, bearbeitete die Bilder, wählte die besten Ausschnitte und spielte mit den Farben. Mal knallig bunt, mal gedeckter in Sepia-Optik.

Stimmungsvolle Lichtspiele auf dem Fußballplatz in Fredenbeck.

Die markante Holzhütte in Ottendorf ist verrammelt

Der fotografische Streifzug beginnt im Auetal, in Ahlerstedt und Ottendorf. Struwe drapiert einen Fußball im Vordergrund. Dahinter steht die markante Holzhütte des Ottendorfer Platzes. „Ich konnte mir richtig vorstellen, wie die Jungs nach dem Spiel da stehen und ein Bierchen trinken“, sagt Struwe. Doch die Hütte ist verrammelt.

An dieser Holzhütte in Ottendorf gibt es eigentlich das Bierchen nach dem Spiel.

Das Bild aus Hagen erzählt vom Abbruch der Saison. Ein verlassener Holzverschlag mit der Reservebank. Davor liegt der Ball im Matsch. Bei der Aufnahme aus Schwinge wirkt der Ball verloren und vergessen, wie er da auf einer Holzbank liegt. Als sei gerade ein Spieler aufgestanden und weggegangen. „Es hat geregnet an diesem Tag“, sagt Struwe.

Er hat Fotos von fast allen Fußballern

Der Fotograf ist fußballverrückt. Wenn der Ball rollt, reist er in der Region herum und fotografiert Zweikämpfe, Emotionen und Details. Er hat die Hoffnung, dass es bald wieder losgeht. Struwe steht in den Startlöchern und plant, einige Fußballclubs beim ersten gemeinsamen Training zu begleiten. Heute überwuchern Gänseblümchen und Löwenzahn einige Plätze. „Meine Idee war, die Langeweile zu zeigen“, sagt Struwe. Mit seinen Fotos beschreibt er ausdrucksstark das Nichts.

Ein vergessener Fußball in Schwinge.

Der 53-Jährige hat einst selbst Fußball gespielt. Er kann sich an ein Spiel in der B-Jugend mit Güldenstern erinnern. Gegen Schwinge damals. Endstand 2:1 für Stade. Struwe schoss beide Tore und war der Held. „Beim zweiten Tor habe ich so heftig in den Boden getreten, dass ich den Ball auch noch ein bisschen getroffen habe“, sagt Struwe. Fotos gibt es davon nicht. Überhaupt hat er nur ein Bild, das ihn als Spieler zeigt. Heute ist das anders. In seinem Archiv schlummern wahrscheinlich fast alle Fußballer, die in den letzten fünf, sechs Jahren mal gegen den Ball getreten haben. Und alle warten darauf, dass es endlich wieder losgeht. Genau wie Jörg Struwe.

Zur Person

Jörg Struwe ist ein Quereinsteiger. Gelernt hat der gebürtige Stader den Buch- und den Offsetdruck. Der heute 53-Jährige arbeitete in der Medientechnologie in verschiedenen Stader Druckereien. Vor zwölf Jahren begann er mit der Fotografie. Zunächst mit dem Handy, dann mit einer Pocketkamera. Struwe muss schmunzeln, als er sich an diese Zeiten erinnert. Im Jahr 2013 kaufte er sich seine erste Spiegelreflexkamera und meldete damals ein Kleingewerbe an.

Ein Kollege aus der Branche, Christian Boldt, zeigte Struwe einige Tricks. Das meiste brachte sich Struwe selbst bei. Er probierte viel aus. Die Fotos von den Sportplätzen möchte Struwe vielleicht in einem Kalender zusammenfassen. Ein Kalender für das Jahr 2022 mit Ansichten seiner Heimatstadt ist in Arbeit und kommt dann in den regionalen Buchhandel.

Quelle: Stader Tageblatt / von Daniel Berlin

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